Lyonel Feininger kommt 1887 aus New York nach Deutschland, eigentlich um ein Studium der Musik aufzunehmen. Doch glückliche Umstände erlauben ihm, erst Zeichenunterricht an der Allgemeinen Gewerbeschule und Schule für Bauhandwerker in Hamburg, dann an der Königlichen akademischen Hochschule für die bildenden Künste in Berlin und schliesslich an der privaten Pariser Académie Colarossi ein Studium der Malerei aufzunehmen. Sein erstes Ölgemälde wird der spätere Maler und Bauhaus- Künstler allerdings erst mit 36 Jahren malen.
Seine Karriere startet Feininger 1895 als Karikaturist und Illustrator für satirische Zeitschriften in Berlin. Noch spielen in Feiningers Karikaturen die Motive Meer und Schiffe eine untergeordnete Rolle. Erst als er 1906 für die Chicago Sunday Tribune die auf seine Ideen zurückgehenden Comicserien The Kin-der- Kids und Wee Willie Winkie’s World entwickelt und umsetzt, nehmen sie erstmals breiteren Raum ein.
Auch wenn diese Auftragsarbeiten Feininger und seiner Familie ein gesichertes Einkommen ermöglichen, künstlerisch befriedigen sie ihn immer weniger. Lyonel Feininger will mehr – er will Maler werden.
1906 siedelt er für ein Jahr nach Paris über. Jahre künstlerischer Neuorientierung beginnen. Sein erstes Gemälde entsteht. Er studiert erneut an der Académie Colarossi, lernt den Maler Robert Delaunay kennen und freundet sich mit Künstlern an, die zum Künstlerkreis des Café du Dôme und zu den Gründern der Académie Matisse gehören. Ein Wendepunkt in Feiningers Schaffen wird 1911 seine Begegnung mit dem Kubismus im Salon des Indépendants in Paris. Doch er geht seinen ganz eigenen Weg bei der Umsetzung. Feininger löst sich nie ganz vom Gegenstand. In kristalline, sich durchdringende Formen splittert er das Dargestellte auf. Die Zerlegung des Objektes übernimmt er nicht.
Neben den Motiven Schiffe und Meer widmet sich Feininger in seinem OEuvre intensiv den Stadtlandschaften. Aber nicht die Grossstadt wird, mit Ausnahme von Paris und später New York, zu seinem bevorzugten Sujet, es sind vielmehr die beschaulichen thüringischen Dörfer und Kirchen, die vor allem seine Aufmerksamkeit fi nden. Gestalterische Überhöhung, Abstraktion des Gegenstandes und eine Reduktion des Naturvorbildes werden Ziel seiner Malerei.
1912 lernt er die Maler der Künstlergruppe Brücke kennen. Eine lebenslange Freundschaft wird ihn mit Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel verbinden. Ebenso bestehen Kontakte zur Münchner Künstlergemeinschaft Der Blaue Reiter. Schon bald fi ndet seine Kunst Anerkennung und Fürsprecher. Nach ersten Ausstellungsbeteiligungen in Paris folgt 1913 eine Einladung von Franz Marc, sich in der Berliner Galerie Der Sturm von Herwarth Walden an einer Gruppenausstellung, dem Ersten Deutschen Herbstsalon, zu beteiligen. 1917 findet bei Walden auch Feiningers erste Einzelausstellung statt. 1919 wird er als Lehrender an das Bauhaus nach Weimar berufen.
Sommerliche Reisen führen Feininger schon früh an die Ostsee. Doch erst ab 1911, als Usedom bevorzugter Ort für seine sommerlichen Studienreisen ist, entdeckt er das Meer und die Schiffe als wesentliche Motive. Eine intensive Auseinandersetzung setzt 1924 ein, als er das Fischerdorf und den Badeort Deep für sich entdeckt.
Bei Spaziergängen oder bei seinen Erkundungen auf dem Fahrrad, stets führt er einen Schreibblock mit sich, in dem er das Gesehene zügig festhält: ein erstes Studium nach der Natur, welches Feininger immer als unerlässlich empfand. Zumeist werden diese von ihm selbst als „Naturnotizen“ bezeichneten Skizzenblätter mit genauem Datum und Ortsangaben versehen, gelocht und in Ordnern abgeheftet. Sie dienen ihm oft Jahrzehnte später noch als Anregung für seine im Atelier komponierten Gemälde.
Gleichberechtigt neben seinen Ölgemälden stehen seine Aquarelle. Sie entstehen im Sommer, während üblicherweise der Winter den Leinwandarbeiten vorbehalten ist. Küstenstreifen, Meereslandschaften und Schiffe, die auf dem Meer dahingleiten, sind vor allem in seinen Aquarellen bevorzugte Motive. Elegante, biedermeierhafte Spaziergänger, wie seinen früheren Karikaturen entlehnt, finden sich zu Anfang noch bildbestimmend im Vordergrund. Mehr und mehr treten sie zurück, werden kleiner und machen so unendliche Weite deutlich.
Erst relativ spät beginnt sich Feininger mit den druckgrafischen Techniken auseinanderzusetzen. Zunächst beschäftigt er sich 1906 mit der Radierung und der Lithografi e, bis er schliesslich 1918 den Holzschnitt für sich entdeckt. Die Anzahl und Vielfalt seiner Holzschnitte bilden in Feiningers druckgrafischem Werk eindeutig den Schwerpunkt.
Der Fotografie wendet sich Feininger erst 1928 im Alter von 57 Jahren zu; angeregt vermutlich durch den ab 1923 am Bauhaus lehrenden László Moholy-Nagy, aber vor allem durch seine beiden Söhne Andreas und Theodore Lux, die zu bedeutenden Fotografen werden. Die Motive sind vielfältig. Wiederholt fotografiert Feininger auch seine selbstgebauten Modellschiffe. Die Aufnahmen lassen die Schiffe beinah wie lebensgrosse Yachten auf den Meeren erscheinen.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten werden seine Werke als „entartete“ Kunst diffamiert und aus den deutschen Museen entfernt. In seiner Kunstausübung stark eingeschränkt, entschliesst er sich 1937, zusammen mit seiner jüdischen Frau Julia nach New York zurückzukehren. Der mittlerweile Fünfundsechzigjährige muss als Künstler neu beginnen. Schon bald gelingt es ihm, mit einem monumentalen Auftrag für mehrere Wandgemälde auf der Weltausstellung in New York 1939/40 wieder künstlerisch Fuss zu fassen. Auch bei diesem Projekt sind Meer und Schiffe die zentrale Bildidee.
Vor über hundert Jahren, 1919, wurde das Bauhaus in Weimar gegründet.
Innovativer Grundgedanke und Anspruch des von Walter Gropius gegründeten Bauhauses in Weimar – später Dessau, dann Berlin – war, Kunst und Handwerk zu vereinen, indem eine neue Generation umfassend kompetenter und engagierter Gestalter angeleitet wurde, den Alltag zu revolutionieren und eine neue, bessere Welt zu gestalten. Gropius engagierte hierfür diverse Meister, die jeweils eine der Werkstätten betreuten, in denen das Experimentieren und Entwerfen geübt wurde, wobei die Trennung von Lehre und Praxis weitgehend aufgehoben war. Als Lehrer konnte Gropius bedeutende Künstler wie Lyonel Feininger, Johannes Itten, Josef Albers, Paul Klee (ab 1921), Wassily Kandinsky (ab 1922) und Oskar Schlemmer (ab 1921) für das Bauhaus gewinnen. In pädagogisch angepasster, umorientierter und experimenteller Weise wurde am Bauhaus der Umgang mit Materialien, wie Glas, Holz, Ton und Metall bis hin zur Bühnenkunst und zur Ausbildung in Typografie, Fotografie und Reklame erprobt. Arbeit und Lehre, Experimentieren und Unterricht waren eng miteinander verbunden. Die verschiedenen Werkstätten boten den Studierenden eine enorme Bandbreite an Möglichkeiten. Noch heute orientieren sich weltweit Kunstschulen an den vom Bauhaus geprägten Ausbildungs-Methoden mit einem Einführungskurs, bei dem Wert auf eine vielseitige und umfassende Ausbildung der Schüler gelegt wird, und anschliessender Teilnahme in verschiedenen Werkstätten.
Im Mai 1919 wurde Lyonel Feininger als einer der ersten Meister durch Walter Gropius an das Staatliche Bauhaus in Weimar berufen, wo er von 1919 bis 1925 die graphischen Werkstätten leitete. Auf dem Titelblatt des Bauhausmanifestes von 1919 wurde sein Holzschnitt „Kathedrale” abgebildet. 1921 wurde als erste Veröffentlichung des Weimarer Bauhauses eine Mappe mit zwölf Holzschnitten Feiningers publiziert. Später übersiedelte er gemeinsam mit dem Bauhaus nach Dessau, wo er, entbunden von jeglichen Lehrverpflichtungen, bis 1933 blieb.
Der 1871 in New York geborene Feininger bekannte sich erst spät zur Malerei nachdem er lange als Karikaturist tätig war. Ab 1906, als Feininger erstmals nach Weimar reiste, um seine zukünftige zweite Frau Julia zu besuchen, begab er sich häufig in die Gegend in und um Weimar und schuf Zeichnungen vor der Natur. Auch hier entstanden seine „Naturnotizen“, eine Art visuelles Tagebuch, die er in einem Ordner abheftete und später als Vorlagen für seine Bilder hervorholte. Es handelte sich um liebevolle, abstrahierende Dokumentationen der Städte und Landschaften von Weimar und dessen Umgebung, ein Festhalten des Gesehenen in kleinformatigen Blättern. Ein längerer Aufenthalt in der Gegend erfolgte zwischen 1913 und 1914 und dann wieder ab 1919, als er an das dortige Bauhaus berufen wurde. Es war besonders die Architektur mit ihren herausragenden Kirchen, mit Türmen, aber auch Strassenzüge mit Häusern, Brücken und immer wieder die offene Landschaft, die Feininger zu ausgereiften Darstellungen im kleinen Format inspirierten. Dafür bereiste er nicht nur die Stadt Weimar, sondern auch die umliegenden, idyllisch gelegenen Dörfer.
Feiningers „Notizen nach der Natur“, wie er sie nannte, kann man als erste Skizzen vor Ort, das erste festhalten des Gesehenen, sei es Landschaft oder Architektur, oft auch mit menschlichen Figuren, ansehen. Er schuf eine grosse Anzahl solcher kleinformatiger Zeichnungen auf Papier mit Bleistift, Kohle, Feder oder farbigen Kreiden in einem Format das selten die 20 cm übertrifft. Sie dienten dem Künstler als Fundgrube, als Archiv auf das er immer wieder auch nach langer Zeit zurückgriff. Immer bildete das Aufzeichnen des Gesehenen, das Festhalten der unmittelbaren Erlebnisse in der Natur den Anfang einer künstlerischen Entwicklung, an deren Ende dann eine Komposition in Öl gemalt oder in einen Holzstock geschnitten stehen konnte. Es war sein künstlerisches Kapital. Die ersten dieser Werke sind ab 1887 belegt, aber kontinuierlich entstanden sie ab 1906, bzw. 1911. Die Stilentwicklung in Feiningers Oeuvre ist den Natur-Notizen ablesbar, diese waren die Experimentier-Fläche, die der Künstler nutzte, um neue künstlerische und stilistische Errungenschaften zu erproben. Mit grosser Begeisterung und Leidenschaft, die aus den begleitenden Schriften und Briefwechseln ersichtlich sind, unternahm Feininger tägliche Radtouren, die ihn von Weimar aus in alle Himmelsrichtungen auf die Dörfer führten. Feininger fertigte von seinen Lieblingsmotiven auch mehrere Zeichnungen aus verschiedenen Blickwinkeln an, um das Gesamte zur erfassen, dies in raschen, sparsamen Linien mit zunehmender perspektivischer Verzerrung, kubisch vereinfachten Architekturformen und angedeuteten Schraffuren.
Feininger betonte auch seinen Studenten am Bauhaus gegenüber immer wieder, dass das Naturstudium vor dem Objekt die wichtigste Grundlage aller künstlerischen Bestrebungen sei. Feininger schuf erste Form-Ideen vor dem Objekt seines Interesses als kleinformatige Zeichnung, um diese dann auch Jahre später in Gemälde und Graphik umzusetzen, so entstanden nach den „Naturnotizen“ in und um Weimar auch noch Jahre später Werke nach diesen Thüringer Motiven.
Due to political pressure the Bauhaus in Weimar is closed. Feininger’s acclaim in the United States continues to grow. In New York, Galka Scheyer organizes the first exhibition of the Blue Four.
1926
The Bauhaus relocates to Dessau and Feininger moves into one of the master’s houses. On his request he discontinues teaching but remains a master at the Bauhaus. Ten of his woodcuts are published by the Euphorion-Verlag.
1927
Alfred H. Barr, Jr., the director of the Museum of Modern Art, New York, visits Feininger in Dessau. Exhibitions in Germany and the United States further establish his reputation.
1929
Represented with seven works in the exhibition “Paintings by Nineteen Living American” at the Museum of Modern Art, New York. The city of Halle commissions him to execute one oil painting of the town. He moves into a studio at the tower of the museum in the Moritzburg. In the next two years he will execute eleven paintings and numerous drawings and watercolors of Halle.
1931
Retrospective exhibitions are shown at Neue Kunst Fides in and subsequently at the Folkwang-Museum, Essen, and travels the Nationalgalerie, Berlin.
1933
Spends the summer in Deep, and the fall and winter in Berlin-Wannsee.
1934
Rents an apartment in Berlin-Siemensstadt.
1935
His work has been categorized as degenerate art by the Nazi regime. Alfred Neumeyer invites him to teach at Mills College in Oakland, California.
1936
Travels with Julia to New York and then to San Diego. Teaches during the summer at Mills College where his first one-person show in the United States is held. Travels back to Berlin in the fall via Hamburg and Stockholm.
1937
After more than 50 years he decides to leave Germany. On June 11 Feininger and his wife leave permanently for the USA. More than 400 works are confiscated by the Nazis. Twenty-two of them are displayed in the exhibition “Entartete Kunst (Degenerate Art).” Teaches again a summer course at Mills College. Settles in New York. Designs murals for the Marine Transportation Building at the 1939 New York World’s Fair.
1938
Moves to 235 East 22nd Street where he will live until his death. Designs murals for the Masterpieces of Art Building at the 1939 New York World’s Fair.
1939
Paints his first painting after his arrival in the USA.
1940
Manhattan skyscrapers become a new theme in Feininger’s work. Spends this and the following summers in Falls Village, Connecticut.
1942
The Metropolitan Museum of Art, New York, awards him a price for the painting Gelmeroda XIII, 1936, which is shown in the “Artists for Victory” exhibition.
1943
Solo-exhibition at Willard Gallery, New York. Awarded price by the Worcester Art Museum.
1944
Begin of his friendship with Mark Tobey. First major retrospective with Marsden Hartley at the Museum of Modern Art, New York.
1945
Teaches summer course at Black Mountain College in Ashville, North Carolina. Spends the fall and the summer of the following years in Stockbridge, Massachusetts.
1947
Elected president of the Federation of American Painters and Sculptors.
1949
Spends the summer in Center Moriches, Long Island, and the fall in Falls Village and Boston. Laureate at the International Exhibition of the Carnegie Institute, Pittsburgh. Exhibits together with Jacques Villon at the Institute of Contemporary Art, Boston. Spends the summer in Cambridge, Massachusetts. Designs murals for the ship SS Constitution.
1951
Spends the summer at Walter Gropius’ house in Lincoln, Massachusetts.
1953
Spends the summer in Josef Albers’ in New Haven, Connecticut.
1954
Mark Tobey visits him in Stockbridge, Massachusetts.
1955
Elected member of the National Institute of Arts and Letters. Becomes honorary vice-president of the Federation of American Painters and Sculptors.
1956
Feininger dies on January 13 in his apartment in New York City.